Real Time Players
Israelische und deutsche Jugendliche tauschen sich aus -
per Videotagebuch im Internet
Die 21-jährige Israelin Daniella hat sich für drei Jahre bei der israelischen Armee verpflichtet. Die Armee ist für Daniella wie eine zweite Familie. Was hält wohl der deutsche Wehrdienstverweigerer Benny davon? Die Antwort gibt er per Video-Blogbeitrag für das ZDF-Online-Projekt “Real Time Players”.
Fünf deutsche und fünf israelische Jugendliche zeigen in Videotagebüchern Szenen aus ihrem Alltag, sprechen über ihre persönlichen Ängste oder interviewen ihre Landsleute. Dabei verstehen sie nicht immer Alles, was die anderen mitteilen: Dass israelische Jugendliche auf die Frage, was ihnen zum Stichwort Deutschland als erstes in den Sinn kommt, fast ausnahmslos “Nazi” antworten, hätten weder die 19-jährige Marie aus Berlin noch die 23-jährige Muslima Neslihan, die in Deutschland lebt und studiert, so erwartet - jedenfalls nicht in dieser Deutlichkeit. Neslihan beschäftigt sich unterdessen mit der Frage “Was ist eigentlich typisch deutsch?” und klärt darüber auf, warum ihr Kopftuch für sie ein Teil von ihr ist. Das wiederum versteht der in Israel lebende Araber Asaad überhaupt nicht - mit Religion jedenfalls habe das nichts zu tun…
Ein interessantes Projekt, das meiner Ansicht nach nicht auf deutsche und israelische Jugendliche beschränkt bleiben sollte. Hier geht’s zum Videoblog der “Real Time Players”: http://blog.zdf.de/realtimeplayers/.
Öffentliche Hasstiraden versus Online-Zensur
Kategorisiert in: interkulturelle Kommunikation, Web
Schön, dass die Leser von Online-Tageszeitungen heute zu jedem Artikel unmittelbar ihren Senf abgeben bzw. natürlich ihre Meinung äußern können! Während man in der Print-Version der Tageszeitung auf die Veröffentlichung seines Leserbriefes warten muss, steht ein spontaner Einfall zum Online-Artikel meist Sekunden später im Netz. Als ich mich beispielsweise auf den Webseiten von - im Grunde seriösen - Tageszeitungen über die aktuelle Diskussion um die Lockerung des Kopftuchverbots in der Türkei durch die Regierungspartei AKP informierte, konnte ich Folgendes beobachten:
Auf den entsprechenden Kommentar-Seiten von WELT Online entstand bereis Sekunden nach der Erscheinung eines objektiven Berichts zum Thema eine hitzige Diskussion über den Islam und die Gewohnheiten in Deutschland lebender Muslime. Genauer gesagt wurde aus der Diskussion schnell ein Forum für gegenseitige charakterlose Beleidigungen von in Deutschland lebenden Angehörigen unterschiedlicher Religionsgruppen. Beschimpfungen erschienen im Ein-Minuten-Takt… Tags darauf waren alle Kommentare wieder gelöscht - die Funktion wurde abgestellt.
Etwas anders lief es beim Webangebot der Süddeutschen Zeitung. Die Beiträge sind deutlich durchdachter und nehmen einigermaßen sinnvoll aufeinander Bezug. Der Grund: Der Autor selbst wirkt hier als Moderator des Forums. Er kann versuchen, die Diskussion zu steuern - er kann aber auch einzelne Kommentare gänzlich blockieren. Dann allerdings überschreitet er die Grenze zwischen redaktionellem Eingreifen und Zensur…
Hier ein interessanter Beitrag zum Thema aus der Neuen Züricher Zeitung.
Sprache im Web 2.0
Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin hat letzte Woche einen meines Erachtens sehr interessanten Vortrag innerhalb des eLearning@fhtw Kolloquiums veranstaltet. Zu Gast war der Geschäftsführer des European Language Competence, Dr. Rudolf Camerer, und referierte über das Thema „Was bedeutet Sprache für die virtuelle Kommunikation im globalen und interkulturellen Umfeld?“
Gegenstand seines Vortrags waren unter anderem die Diskussion der Auswirkungen von neuen Kommunikationsformen wie Blogs, Wikis und Podcasts auf die Sprache. Dabei zeigte er anhand von praxisnahen Beispielen, wie Sprache auch unter globalen Verhältnissen erfolgreich zur Kultur übergreifenden Kommunikation eingesetzt werden kann und welche Auswirkungen dies auf Personalausbildung und –entwicklung haben wird.
Schade, dass wir nicht in den Genuss dieses Vortrags gekommen sind. Für alle, die das Thema vielleicht interessiert: Hier findet Ihr einen Aufsatz von Rudolf Camerer über das Verhältnis von Interkultureller Kompetenz und Sprachkompetenz.
Interkulturelle Kommunikation bei WoW
Kategorisiert in: Web
Im Blog des Online-Spielers Roger aka Asak, dem “Krieger” habe ich einen witzigen und doch interessanten Aspekt der interkulturellen Kommunikation entdeckt. Gegenstand ist das Online-Spiel World of Warcraft. Für alle unter Euch die mit Computerspielen nicht so firm sind: World of Warcraft oder kurz WoW (Welt der Kriegskunst) ist ein sogenanntes Massen-Mulitplayer-Online-Rollenspiel, wo mittlerweile Millionen von Menschen über das Internet zusammen oder gegeneinander spielen.
Zum Hintergrund: Mittlerweile haben sich rund um World of Warcraft allerhand Geschäftsmodelle entwickelt. So kann man die virtuelle Währung („Gold“) ohne weiteres in echtes Geld verwandeln, indem man das erspielte “Gold” anschließend zum Beispiel über ebay verkauft. In China hat sich hierfür ein ganzer Industriezweig etabliert. Es werden billige Arbeitskräfte eingestellt, die in Schichtarbeit online “Gold schürfen”, welches ihre Arbeitgeber gewinnbringend an Spieler in der ganzen Welt veräußern. Gold schürfen kostet Zeit – verständlich, dass die miesten Spieler ihre kostbare Spielzeit lieber mit spannenden Abenteuern, als mit langweiligem Gold sammeln verbringen. Hierzu ein kleines Video:
Und da immer mehr Spieler mit den chinesischen Goldfarmern Probleme haben, oder einfach von ihnen auf chinesisch angesprochen werden, um Gold oder Items zu kaufen, hat Asak seinen WOW Chinesischkurs für Anfänger online gestellt. Die Vokabeln umfassen neben den absoluten Basics, wie „hallo“, „ok“ und „Ich spreche kein chinesisch. Gib mir Geld“ auch Sätze härterer Gangart. So kann man einem “farmenden” Chinesen sein Gold auch einfach mit dem Satz: „Treib das Geld auf, sonst breche ich dir die Beine“ wieder abluchsen. Er rät seinen Lesern sich die wichtigsten Sätze „mit rot auf den Unterarm zu schreiben, um sie immer parat zu haben.“
Lustig wie weit interkulturelle Kommunikation doch gehen kann.
P.S. Asak distanziert sich von jeglichem Rassismus und sieht seinen Beitrag eher sarkastisch und ironisch. Recht hat er, nicht, dass er die gleichen Probleme kommt wie Mister Wong, die erst kürzlich ihr Logo auf grund von rassistischen Vorwürfen von ihrer Website entfernt haben.
Stereotypisierung im Web 2.0
Kategorisiert in: Web
Vielleicht nicht ein Critical Incedent par excellence, aber trotzdem eine hochinteressante Entwicklung zum Thema Stereotypisierung lässt sich momentan in der bunten Welt des Web 2.0 beobachten. Zur Abwechslung expandiert mal ein deutsches Web 2.0. Unternehmen in die USA und gleich hagelt es Probleme. Grund des Anstoßes war das Logo des Social-Bookmarking Dienstes Mister Wong. Dem Namen entsprechend zierte bis vor kurzem ein sympathischer Comic-Asiate die Website. Das Logo wurde nach massiven Protesten amerikanischer Blogger, die den deutschen Betreibern versteckten Rassismus vorwarfen, von der Seite genommen.

Zurück bleibt ein Portal, dem sein Markenzeichen abhanden gekommen ist und ein farbloses Logo, das irgendwie nicht in die bunte Welt des Mit-Mach-Webs passen mag . Im entfernten erinnert die Diskussion an den Karrikaturen-Streit in Dänemark, wenigstens wird im Internet der Kampf mit „Feder und Papier“ ausgeführt und nicht mit brennenden Flaggen und Pflastersteinen.
Mittlerweile zieht die Diskussion solch große Kreise, dass selbst die etablierten Medien darüber berichten und hier, auf dem Blog der Asia-Amerikaner eine hitzige Diskussion entbrannt ist. Von „Klaus – der Uebermensch“ als Racheportal ist hier die Rede, aber auch die Forderung politische Korrektheit nicht ständig als US-Exportschlager zu betrachten. Eine sachliche und fundierte Diskussion, die auch Stereotypisierung thematisiert, bietet sich bei Philipp Lenssen.
Das Grundproblem der Diskussion liegt meiner Meinung nach im unterschiedlichen kulturellen Code der Amerikaner im Vergleich zu uns Europäern. Das Prinzip der equality of opportunity liegt der gesamten amerikanischen Sozialpolitik zu Grunde, weswegen sich im Nordamerikanischen Kulturraum ein ganz anderes Feingefühl in Bezug auf Benachteiligungen und etwaigen rassistischen Äußerungen entwickelt und verfestigt hat. Stichwort „political correctness“. Die Betreiber von Mister Wong haben sich bei der Logoentwicklung jedoch eigentlich nichts böses gedacht.
Was der Autor des Blogs natürlich nicht wissen kann: Gerade in Deutschland ist eine selbstbewusste Generation mit asiatischen Wurzeln herangewachsen, die ganz gezielt mit dem positiven, fleißigen Asiaten-Stereotyp spielt und dieses Bild gezielt für Werbezwecke nutzt: In der asiatischen Gastronomie.
Um die angesprochene negative Fremdwahrnehmung des Logos wirklich zu transportieren müssten aber doch auch negative Aspekte auf dem Logo zu erkennen sein: Auf mich macht Onkel Wong eher einen sympathischen und auf keinen Fall einen negativen Eindruck. Sein ovaler Kopf und seine Statur erinnern mich sogar eher an einen typisch deutschen Altkanzler. Als Vergleich hier mal ein paar Bilder, die mit Abgrenzung als Grunddispositive der Fremdwahrnehmung arbeiten und dem ethnisch geprägten Nationenmodell entstammen, welches die Herabwürdigung des Fremden gezielt als Propagandamaßnahmen einsetzte:

Bleibt festzuhalten, dass Amerikaner asiatischer Herkunft wohl wirklich ein ganz anderes Feingefühl in Sachen Political Correctness haben. Oder aber ein gutes Gespür für „Stereotypen-Marketing“: denn wer Werbung und Adsense auf seiner Seite schaltet, kann mit dem gerade stattfindenden Medienhype sicherlich den einen oder anderen Dollar mehr verdienen, vor allem wenn er den achso vergangenheitsgeschädigten Deutschen Rassismus vorwirft…
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:
P.S. Mister Wong hat einen Logo-Wettbewerb ausgerufen, hoffentlich fühlt sich beim neuen Logo niemand auf den Schlips getreten….

