Verzaubert von Interkultureller Kommunikation
Kategorisiert in: interkulturelle Kommunikation, Interkulturelle Trainings
Interkulturelle Kommunikation ist im Trend. Andere Länder, andere Sitten - und alle wissen Bescheid: In China machen sie dies, in Afrika jenes… Der weltoffene, vielgereiste Bürger von heute profiliert sich bei jeder Gelegenheit durch solche Sprüche. Man kennt sich halt aus in der Welt!
Fragt man diese Kosmopoliten dann, was eigentlich genau dahinter steckt, geraten die meisten schon ins Stottern. Schlimmer noch: Die Wenigsten haben sich überhaupt solche Gedanken gemacht. Die psychologischen, historischen Wurzeln bestimmter Gebräuche, Verhaltensweisen oder sprachlicher Ausdrücke werden einfach ausgeblendet.
Interkulturelle Trainings: “Kurzzeitig intensiv berührt”
Da nützt auch ein zweitätiges Intensivtraining zur Interkulturellen Kommunikation nicht wirklich was. Das jedenfalls meint Dr. Petia Genkova von der Universität Passau. Im „Report Psychologie“ (1/2010) nimmt die deutsch-bulgarische Psychologin kein Blatt vor den Mund: “Verzaubert von dem Gegenstand der interkulturellen Kommunikation, wonach alle so wunderbar unterschiedlich sind, ist man kurzfristig intensiv bemüht, besonders verständnisvoll und tolerant zu sein.” Mit anderen Worten: Gut gemeint, nützt aber nichts!
Ganz so kritisch würde ich das nicht sehen. Das steigende Interesse an Interkultureller Kommunikation ist doch grundsätzlich nicht verkehrt. Nicht jeder kann sich auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema befassen. Und mal ehrlich: Offenheit und echtes Interesse sind doch die besten Voraussetzungen für ein tieferes Verständnis des „Anderen“. Und so gesehen ist der Smalltalk über den letzten Urlaub ja auch nur die Spitze des Eisbergs.
