Interkulturelle Toleranz bei Kindern

Kinder wachsen heute mit einem anderen Verständnis von Interkulturalität auf. War eine Klassenkameradin aus der Türkei oder aus Bulgarien vor 20 Jahren noch eine Exotin – mit der kaum jemand etwas zu tun haben wollte –, werden in den Klassenzimmern von heute ganz selbstverständlich Kinder unterschiedlicher Herkunft nebeneinander unterrichtet. Wir wissen zwar, dass das nicht immer ganz problemlos abläuft – man braucht nur an die ständigen Debatten um den Religionsunterricht zu denken. Das gute aber ist: Interkulturelle Freundschaften entwickeln sich heute fast unterschiedslos zu deutsch-deutschen Freundschaften.

Ohne Vorbehalte aufeinander zugehen

So ganz ohne Vorbehalte können wohl nur junge Menschen aufeinander zugehen. Diese Selbstverständlichkeit, mit der die Kinder heute ihre Klassenkameraden mit Migrationshintergrund akzeptieren, kann man sich bei manchem Erwachsenen nur wünschen. Hier ist die Toleranzschwelle leider oft viel geringer. Weil aber Erwachsene im Rahmen der Erziehung großen Einfluss auf ihre Kinder haben, darf dieser Punkt nicht außer Acht gelassen werden.

Der Beitrag der Eltern zur Interkulturellen Toleranz

Eltern können einen wichtigen Beitrag leisten zur Entwicklung der Interkulturellen Kompetenz ihrer Kinder – und zwar nicht nur durch eigenes Verhalten und Erläuterungen. Sie können ihre Kinder beispielsweise auch mit entsprechenden Büchern an das Thema heranführen. Im Handel gibt es jede Menge Bücher, die interkulturelle Themen kindgerecht aufbereiten und damit bestens geeignet sind, die Sensibilität und Toleranz der Kinder auszubilden bzw. zu fördern. Claudia Maria Korte vom Projekt Lesebus in Niedersachsen hat eine interessante Liste mit Kinderbüchern zusammengestellt, die im Hinblick auf die Interkulturelle Kommunikation wertvoll sind. Das fängt schon bei den ganz kleinen an, mit interkulturellen Bilderbüchern. Wer die Liste einmal genauer durchsieht, kann tatsächlich das eine oder andere Juwel entdecken!

Verzaubert von Interkultureller Kommunikation

Interkulturelle Kommunikation ist im Trend. Andere Länder, andere Sitten - und alle wissen Bescheid: In China machen sie dies, in Afrika jenes… Der weltoffene, vielgereiste Bürger von heute profiliert sich bei jeder Gelegenheit durch solche Sprüche. Man kennt sich halt aus in der Welt!

Fragt man diese Kosmopoliten dann, was eigentlich genau dahinter steckt, geraten die meisten schon ins Stottern. Schlimmer noch: Die Wenigsten haben sich überhaupt solche Gedanken gemacht. Die psychologischen, historischen Wurzeln bestimmter Gebräuche, Verhaltensweisen oder sprachlicher Ausdrücke werden einfach ausgeblendet.

Interkulturelle Trainings: “Kurzzeitig intensiv berührt”

Da nützt auch ein zweitätiges Intensivtraining zur Interkulturellen Kommunikation nicht wirklich was. Das jedenfalls meint Dr. Petia Genkova von der Universität Passau. Im „Report Psychologie“ (1/2010) nimmt die deutsch-bulgarische Psychologin kein Blatt vor den Mund: “Verzaubert von dem Gegenstand der interkulturellen Kommunikation, wonach alle so wunderbar unterschiedlich sind, ist man kurzfristig intensiv bemüht, besonders verständnisvoll und tolerant zu sein.” Mit anderen Worten: Gut gemeint, nützt aber nichts!

Ganz so kritisch würde ich das nicht sehen. Das steigende Interesse an Interkultureller Kommunikation ist doch grundsätzlich nicht verkehrt. Nicht jeder kann sich auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema befassen. Und mal ehrlich: Offenheit und echtes Interesse sind doch die besten Voraussetzungen für ein tieferes Verständnis des „Anderen“. Und so gesehen ist der Smalltalk über den letzten Urlaub ja auch nur die Spitze des Eisbergs. 

Konferenz: Zwischen Babel und ‘Earth-City’

Barrieren der interkulturellen und internationalen Kommunikation

Die Anmeldung läuft: für die erste Konferenz des Netzwerks Interkulturelle und Internationale Kommunikation unter dem Titel “Zwischen Babel und ‘Earth-City’ (in Kooperation mit dem Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der TU Ilmenau).

Termin: 30. Oktober – 1. November 2008
Ort: Technische Universität Ilmenau (Thüringen)
Kosten: 45€ (inkl. Pausenversorgung und Mittagessen für beide Tage)
Die Anmeldung ist noch bis 3. Oktober möglich. Hier geht’s zum Anmeldeformular.

Öffentliche Hasstiraden versus Online-Zensur

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Schön, dass die Leser von Online-Tageszeitungen heute zu jedem Artikel unmittelbar ihren Senf abgeben bzw. natürlich ihre Meinung äußern können! Während man in der Print-Version der Tageszeitung auf die Veröffentlichung seines Leserbriefes warten muss, steht ein spontaner Einfall zum Online-Artikel meist Sekunden später im Netz. Als ich mich beispielsweise auf den Webseiten von - im Grunde seriösen - Tageszeitungen über die aktuelle Diskussion um die Lockerung des Kopftuchverbots in der Türkei durch die Regierungspartei AKP informierte, konnte ich Folgendes beobachten:

Auf den entsprechenden Kommentar-Seiten von WELT Online entstand bereis Sekunden nach der Erscheinung eines objektiven Berichts zum Thema eine hitzige Diskussion über den Islam und die Gewohnheiten in Deutschland lebender Muslime. Genauer gesagt wurde aus der Diskussion schnell ein Forum für gegenseitige charakterlose Beleidigungen von in Deutschland lebenden Angehörigen unterschiedlicher Religionsgruppen. Beschimpfungen erschienen im Ein-Minuten-Takt… Tags darauf waren alle Kommentare wieder gelöscht - die Funktion wurde abgestellt.

Etwas anders lief es beim Webangebot der Süddeutschen Zeitung. Die Beiträge sind deutlich durchdachter und nehmen einigermaßen sinnvoll aufeinander Bezug. Der Grund: Der Autor selbst wirkt hier als Moderator des Forums. Er kann versuchen, die Diskussion zu steuern - er kann aber auch einzelne Kommentare gänzlich blockieren. Dann allerdings überschreitet er die Grenze zwischen redaktionellem Eingreifen und Zensur…

Hier ein interessanter Beitrag zum Thema aus der Neuen Züricher Zeitung.

Deutsch-polnisches Telefonat – eine Katastrophe!

Eine Arbeitskollegin, Katharina S., erzählte mir heute nach Feierabend von ihrem Telefonat mit einer polnischen Geschäftspartnerin. Das Telefonat fand auf Englisch statt und begann mit folgenden Worten: „Concerning the reservation…“. Katharina war etwas vor den Kopf gestoßen, da sie nicht sofort wusste, wer überhaupt am anderen Ende der Leitung war. Hinzu kam, dass sie das gebrochene Englisch der Polin (auch wegen der Akustik am Telefon) kaum verstehen konnte. Also fragte sie höflich nach. Die Polin wiederholte ihre Worte kurz, schien dabei leicht erzürnt, und wartete erneut auf Antwort. Katharina hatte inzwischen immerhin soviel verstanden, um zu wissen, dass sie den Fall nicht bearbeitet hatte. Also sagte sie freundlich, dass sie die zuständige Kollegin ans Telefon holen werde und bat um einen Augenblick Geduld.

Diesen hatte die polnische Dame offenbar nicht: Sie beendete das Telefonat abrupt mit den folgenden Worten: „I write Mail!“ – und legte auf! Kein „Vielen Dank“, kein „Auf Wiederhören“. Katharina war bestürzt und sagte, als sie mir von dem Vorfall erzählte: „Also die Polen, die sind wirklich ein unfreundliches Volk!“

Da ich persönlich nicht viel Erfahrung mit Leuten aus Polen habe, wollte ich euch fragen, ob ihr zu diesem Vorfall vielleicht einen Hinweis für mich habt? Ich habe natürlich schon ein wenig Diplomatie walten lassen - von wegen Gesprächskultur und Telefon-Stil. Allerings möchte ich ihr gerne genauer erklären, was da los war und wäre froh, ein paar konkretere Details zu erfahren…