Fremd bleibt Fremd
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Mangelnder Integrationserfolg wird messbar
„Wer als fremder kommt, bleibt fremd“, schreibt Der Spiegel und bezieht sich auf eine ganz und gar neuartige Studie zur Lage der Integration in Deutschland, veröffentlicht vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Erstmals lassen sich die Integrationserfolge einzelner Gruppen anhand eines Index messen – nach Kriterien wie Bildungsstand, Erwerbsleben oder Annäherung in Form bikultureller Ehen. Neu ist auch: Die Studie erfasst Migranten mit deutschem Pass. Wer auf dem Papier bereits deutsch ist, war bislang bei solchen Studien durchgerutscht.
Die Studie ist neu, das Ergebnis bleibt jämmerlich: Dass der deutsche Pass nicht für bessere Integration sorgt, klingt zwar logisch. Dass sich jedoch auch nach drei Generationen kein wirklicher Erfolg abzeichnet, ist einfach nur traurig. Das Sorgenkind bleibt die zweitgrößte Zuwanderungsgruppe in Deutschland: unsere türkischstämmigen Mitbürger. Warum es auch nach so langer Zeit nicht klappt mit der Integration, kann und soll hier nicht beantwortet werden. Sicher aber ist: Die meisten Zuwandererfamilien bekommen deutlich mehr Kinder als die deutschen Familien. Zu viele dieser Migrantenkinder wachsen in Parallelwelten auf, bleiben ohne Zukunftschancen. Dabei könnte das kinderarme Deutschland – auch wirtschaftlich gesehen – gut ausgebildeten Nachwuchs dringend brauchen.
Möchte man dennoch Gewinner der Integration ausmachen, so sind es die Gastarbeiter der ersten Stunde aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland. Und auch einen wahren Überraschungserfolg präsentiert die Studie: die Integration der Aussiedler. Mehr noch als die Deutschen nutzt diese Gruppe Gymnasien und Universitäten. Inzwischen werden hierzulande rund ein Drittel aller Kinder in Migranten-Familien geboren. Geben wir ihnen eine Chance – und nutzen wir die unsere.
Für bessere Integration: Bücher gehen online
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Interkulturelles Webportal öffentlicher Bibliotheken freigeschaltet
Dass Sprache und Bildung wichtige Grundlagen erfolgreicher Integration sind, ist bekannt. Leider ist das Angebot an fremdsprachigen Büchern oft spärlich. Das neue interkulturelle Webportal öffentlicher Bibliotheken soll Abhilfe schaffen: Es macht seit Anfang Oktober Bibliotheksbestände in mehr als 20 Sprachen zugänglich. Einerseits will das Portal den Bibliothekaren selbst in einem berufsfachlichen Teil Infos und Hilfe für die tägliche Beratung bieten, andererseits erhalten auch die Nutzer über ein Sprachenportal Zugang zu fremdsprachigen Beständen und Online-Wörterbüchern - und das in über 20 Sprachen, darunter auch Arabisch, Chinesisch, Kisuaheli, Tamil oder Thai. Das interkulturelle Portal besitze derzeit noch „offenen Projektcharakter“, so die Verantwortlichen, und könne nur durch die Mitwirkung der Bibliothekare weiter ausgebaut werden. Längerfristiges Ziel sei die Einrichtung einer internationalen Bibliothek.
Die interkulturellen Bestände der Bibliotheken seien, abhängig von den Etats und der Zuwanderung in den jeweiligen Regionen, spürbar erweitert worden, berichtet Boersenblatt.net, der Branchendienst des deutschen Buchhandels. Auch das Fremdsprachensortiment am Buchmarkt erlebe derzeit einen Boom. Verlage erweitern ihre Programme insbesondere mit zweisprachigen Titeln, heißt es beim Börsenblatt.
Trotz Projektcharakter eine äußerst sinnvolle Aktion, die erheblich zur Integration von Migranten beitragen kann. Schließlich wird kaum eine kulturelle Institution in Deutschland so intensiv von Einwanderern genutzt wie die öffentlichen Bibliotheken. Der Service in 20 Sprachen bietet auch den Angehörigen kleinerer Migranten-Gruppen gute Chancen zur Integration – denn dafür ist gerade die Sprache der Schlüssel.
Nähere Infos unter www.interkulturellebibliothek.de
Fußballverein erhält Integrationspreis
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Der Berliner Fußballverein Türkiyemspor wird nur Wenigen ein Begriff sein. Doch es hätte auch anders kommen können. Um ein Haar nämlich wäre der Fußballverein vor Jahren in die zweite deutsche Bundesliga aufgestiegen. Es war die Zeit, in der die Strengen Nationalitätenregelungen im Deutschen Fußball allmählich gelockert wurden und die Bundesliga sich für Kicker aus dem Ausland öffnete. Heute ist Türkiyemspor längst nicht mehr nur mit Türken besetzt. Die erste Mannschaft wird von einem Deutschen trainiert, in ihr spielen Fußballer sieben unterschiedlicher Nationalitäten.
Der Verein, der eher zufällig beim Kickern der ersten Einwanderergeneration in den Straßen Kreuzbergs entstanden ist, war zunächst eher ein Fluchtpunkt, ein Mittel zur Identifikation. Daraus entwickelte sich ein Fußballverein, der nicht nur kulturell aufgeschlossen ist, er zeigt sich auch fortschrittlich im Bezug auf türkische Traditionen: Es gibt eine Mädchengruppe bei Türkiyemspor, in der Türkinnen mit deutschen, kurdischen, italienischen oder iranischen Spielerinnen trainieren. So erobern immer mehr türkische Mädchen in Deutschland die Männerdomäne Fußball – wenn auch teils unter den skeptischen Blicken anderer türkischer Eltern.
Weil Türkiyemspor darüber hinaus auch noch soziale Projekte betreibt, wurde der Verein vom Deutschen Fußballbund mit dem Integrationspreis ausgezeichnet. Aufklärungsprojekte gegen Gewalt in der Familie oder gegen Diebstahl bei türkischen Jugendlichen – der Verein nutzt die Autorität, die er bei seinen jugendlichen Mitgliedern besitzt, für eine integrative Erziehungsarbeit. Bei Auswärtsspielen im Osten kommt es immer wieder zu rassistischen Anfeindungen durch Zuschauer. Der Verein reagiert darauf mit Verhaltensschulungen, um eine Eskalation auf dem Rasen zu vermeiden. Das reichte dem DFB aus, um Türkiyemspor mit dem Integrationspreis (im Rahmen des nationalen Integrationsplans) zu honorieren. Der Name Türkiyemspor bedeutet zwar übersetzt „meine Türkei“, doch auf dem Wappen zeigt sich der integrative Ansatz: Hier trifft der türkische Halbmond auf den Berliner Bären.
Vorbildcharakter: Ehrenamtliche Integrationshilfe
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Im südhessischen Erbach (Odenwaldkreis) gibt es ein Integrationsprojekt auf ehrenamtlicher Basis. Dafür werden Deutsche gesucht, die sich eines Zuwanderers annehmen: Neben technischer Unterstützung wie der Begleitung bei Behördengängen soll vor allem auch der Spracherwerb der Migranten gefördert werden. Vereinsleben, Konzertbesuche oder Dorffeste - durch die Kontakte zu Deutschen werden Migranten von Anfang an in das Gemeinschaftsleben des Ortes integriert. Der Grundgedanke des Projekts ist das friedliche Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund am Heimatort.
Der Nutzen ist keinesfalls einseitig: Die deutschen Helfer haben die Möglichkeit, interessante Bekanntschaften oder sogar Freundschaften mit Menschen aus anderen Kulturen aufzubauen. Zudem trainieren Deutsche, die ansonsten möglicherweise kaum oder gar keinen Kontakt zu Migranten hätten, eine soziale Kernkompetenz - nämlich interkulturelle Sensibilität. Obendrein erhalten die Freiwilligen auf Wunsch eine 40-stündige Grundqualifizierung in den Bereichen Zuwanderung, Integration und interkulturelle Kommunikation sowie zu den Aufgaben und Grenzen eines “Migrationsbegleiters”. Ein Projekt, das durchaus erfolgversprechend klingt und deshalb meiner Meinung nach auf jeden Fall zur Nachahmung empfohlen ist!
