Spanische Bücher: Neuerscheinungen und Tipps

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Gute Nachrichten für Freunde spanischer Literatur: Eine neue Internetseite informiert regelmäßig über Neuerscheinungen auf dem spanischen Buchmarkt: www.newspanishbooks.de bietet die Möglichkeit, gezielt nach Autoren, Buchtiteln oder Verlagen zu suchen. Auch die Recherche nach Themenbereichen ist möglich: Hier steht ein breites Spektrum zur Auswahl, von Literatur bis populäres Sachbuch, von Kinder- und Jugendbuch bis Wirtschaft & Recht. Neben der Rubrik „Neue Spanische Bücher“ gibt es zum Beispiel auch die „Buchtipps unserer Experten“, also persönliche Leseempfehlungen von Journalisten, Buchhändlern oder Lektoren.

Service für deutsche Verlage

Die Plattform für spanische Bücher ist ein Gemeinschaftsprojekt des Spanischen Außenhandelsinstituts (ICEX) und dem Spanischen Verlegerverband. Sie dient insbesondere deutschen Verlagen, die sich auf diesem Weg über Neuigkeiten aus der spanischen Literatur informieren und ggf. die Übersetzungsrechte sichern können. So finden die Perlen der spanischen Literatur leichter Einzug in den deutschen Buchmarkt. Zum Service des Webportals gehören außerdem aktuelle Veranstaltungshinweise wie die „Jornadas del Hispanismo“ (3.-5. Mai 2010) an der Universität Heidelberg oder das aktuelle Kulturprogramm des spanischen Kulturinstituts „Instituto Cervantes“.

Interkulturelles Kinderbuch von Rafik Schami

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rafik schamirafik schamiAn der Spitze der unten erwähnten Liste interkultureller Kinderbücher findet sich das Buch “Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm”. Geschrieben hat das von Ole Könnecke illustriertes Buch der erfolgreiche syrische Schriftsteller Rafik Schami. Schami ist in Damaskus geboren und lebt in Deutschland.

Sein Kinderbuch schreibt er aus der Sicht eines kleinen Mädchens, das sich über ihren Papa wundert. Der ist doch so groß und stark und kann eigentlich alles – aber vor Fremden hat er Angst. Doch das Mädchen hat ihre ganz eigene Strategie, wie sie ihrem Papa die Angst vor Fremden nimmt…

Meister der interkulturellen Vermittlung

Die Zeitung Die Welt schreibt über das Buch: “Rafik Schami zeigt einmal mehr, dass er mit Worten zaubern kann. (…) kleine, an Comics erinnernde Illustrationen erhöhen den Witz der Geschichte noch. Seine Einfälle überraschen ebenso wie die von Schami.” Ähnlich positiv der Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: “Wirklich mitreißend und getragen von wunderbar leiser Ironie.” Kein Zweifel: Rafik Schami ist ein Meister der interkulturellen Vermittlung – nicht nur im Erwachsenenbuch.

Interkulturell oder rassistisch

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Der Fall Tim und Struppi

Bestes Beispiel: Der Fall „Tim und Struppi“. Ein in Belgien lebender Kongolese will jetzt den Comic “Tim im Kongo” aus der beliebten Kinderbuch-Reihe “Tim und Struppi“ verbieten lassen. Begründung: Der Inhalt sei rassistisch. Der Comic vermittle ein erniedrigendes und entwürdigendes Bild der Schwarzen im Kongo. Zwar wurde der erstmals 1930 erschienene Comic von Comic-Zeichner Hergé selbst bereits überarbeitet – die 1930 erschienene Version war deutlich vom Denken des Kolonialismus geprägt. Doch laut Bienvenu Mbutu verfestige der Comicband immer noch Vorurteile gegenüber Kongolesen.

Die Verantwortung der Eltern

Der Fall Tim und Struppi zeigt, dass die Grenze von interkulturell wertvoll zu rassistisch im Einzelfall verschwimmen kann. Er macht aber auch deutlich: Ein kritischer Blick der Eltern ins Buch schadet nie. Denn – sei es bewusst oder unbewusst – in der Fülle des Angebots können sich theoretisch immer auch schwarze Schafe verstecken. Im vorigen Beitrag wurde auf eine Liste interkultureller Kinderbücher hingewiesen – Bücher, die Eltern bei der interkulturellen Erziehung ihrer Kinder unterstützen können. Ich habe natürlich nicht jeden einzelnen Titel vorher geprüft – sie stammt von der Homepage des Bildungsserver Niedersachsen. Eine gute Quelle, würde ich sagen. Trotzdem sollten Eltern in jedem Fall vorab genau prüfen, was Sie Ihren Kindern zu lesen geben.

Interkulturelle Toleranz bei Kindern

Kinder wachsen heute mit einem anderen Verständnis von Interkulturalität auf. War eine Klassenkameradin aus der Türkei oder aus Bulgarien vor 20 Jahren noch eine Exotin – mit der kaum jemand etwas zu tun haben wollte –, werden in den Klassenzimmern von heute ganz selbstverständlich Kinder unterschiedlicher Herkunft nebeneinander unterrichtet. Wir wissen zwar, dass das nicht immer ganz problemlos abläuft – man braucht nur an die ständigen Debatten um den Religionsunterricht zu denken. Das gute aber ist: Interkulturelle Freundschaften entwickeln sich heute fast unterschiedslos zu deutsch-deutschen Freundschaften.

Ohne Vorbehalte aufeinander zugehen

So ganz ohne Vorbehalte können wohl nur junge Menschen aufeinander zugehen. Diese Selbstverständlichkeit, mit der die Kinder heute ihre Klassenkameraden mit Migrationshintergrund akzeptieren, kann man sich bei manchem Erwachsenen nur wünschen. Hier ist die Toleranzschwelle leider oft viel geringer. Weil aber Erwachsene im Rahmen der Erziehung großen Einfluss auf ihre Kinder haben, darf dieser Punkt nicht außer Acht gelassen werden.

Der Beitrag der Eltern zur Interkulturellen Toleranz

Eltern können einen wichtigen Beitrag leisten zur Entwicklung der Interkulturellen Kompetenz ihrer Kinder – und zwar nicht nur durch eigenes Verhalten und Erläuterungen. Sie können ihre Kinder beispielsweise auch mit entsprechenden Büchern an das Thema heranführen. Im Handel gibt es jede Menge Bücher, die interkulturelle Themen kindgerecht aufbereiten und damit bestens geeignet sind, die Sensibilität und Toleranz der Kinder auszubilden bzw. zu fördern. Claudia Maria Korte vom Projekt Lesebus in Niedersachsen hat eine interessante Liste mit Kinderbüchern zusammengestellt, die im Hinblick auf die Interkulturelle Kommunikation wertvoll sind. Das fängt schon bei den ganz kleinen an, mit interkulturellen Bilderbüchern. Wer die Liste einmal genauer durchsieht, kann tatsächlich das eine oder andere Juwel entdecken!

Alte neue Weltgesellschaft

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Neu ist globales Denken nicht. Auch nicht in der Strukturpolitik. Doch Christoph Zöpel, ehemaliger Staatsminister im Auswärtigen Amt, ruft die Weltgesellschaft in seinem Buch wieder auf den Plan. Wie funktioniert „Politik mit 9 Milliarden Menschen in Einer Weltgesellschaft“? Mit dieser zentralen Frage befasst sich Zöpel auf über 600 Seiten. Die Grundthese lautet sinngemäß: Politisches Denken und Handeln kann nie losgelöst von der Realität der Weltgesellschaft stattfinden.

Die Hauptthesen sind gut durchdacht, und bieten freilich viel Stoff für Diskussionen: Zöpel wendet sich – vereinfacht gesagt – gegen die Übermacht nationaler Traditionen, da diese der Einheit der Weltgesellschaft im Wege stehen. Außerdem dürfe sich die Weltgesellschaft nicht allein auf die Wirtschaft beschränken, fordert der studierte Ökonom. Armut und Ungerechtigkeit müssten bekämpft werden – nicht zuletzt, um das Wachstum der Bevölkerungszahl zu begrenzen: Denn 2050 wird es neun Milliarden Menschen auf der Welt geben.

Die Eine Weltdemokratie ist keine Utopie

Die drängenden globalen Politikfelder wie Friedenssicherung, soziale Integration, nachhaltige Entwicklung, Wirtschaft und Finanzen führt Zöpel zu einer „integrierten Weltentwicklungspolitik“ zusammen. Die Eine Weltdemokratie mit universalen Menschenrechten, globaler Verfassung und Gewaltenteilung ist für den erfahrenen Politiker auch in der Realität durchaus denkbar.

Wirklich neu sind Zöpels Thesen nicht. Doch sind sie weder naiv noch unkritisch. Vielmehr denkt Zöpel immer einen Schritt weiter. Oder, was noch wichtiger ist: lädt zum Weiterdenken ein.

Quelle:

Christoph Zöpel: Politik mit 9 Milliarden Menschen in Einer Weltgesellschaft. Vorwärts Buch, Berlin 2008.

Reiseführer ins Elendsviertel

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Slum-Tourismus in Belgrad

Slums: ein Phänomen der Dritten Welt? Bestimmt nicht! Und doch müssen wir erst daran erinnert werden, dass wir auch mitten in Europa Elendsviertel haben. In Serbien zum Beispiel: Unter der Autobahnbrücke Gazela, mitten im Herzen von Belgrad, leben serbische Roma in einer Barackensiedlung.

Mit dem Buch in der Hand durch den Slum

Warum ich ausgerechnet den Slum von Belgrad erwähne? Aus gutem Grund: Seit Kurzem ist ein Reiseführer auf dem Markt, der Touristen durch den Slum von Belgrad führt. “Beograd Gazela - Reiseführer ins Elendsviertel”.
Recht praktisch ist das schienbar absurde Büchlein - zumindest für den Fall, dass ein Tourist tatsächlich den Slum von Belgrad als Reiseziel wählt: ein Plan mit den wichtigsten “Stationen”, ein praktischer Sprachführer, Infos zu Kultur und Bildung, Natur und Umwelt, Essen und Trinken, Wirtschaft, Transport und und und..

Was wirklich dahinter steckt

Man ahnt es schon: Natürlich steckt mehr dahinter, als nur eine Anleitung für potenzielle Touristen. Die Autoren Lorenz Aggermann, Eduard Freudmann und Can Gülcü wollen mit “Beograd Gazela” auf den Alltag der Slum-Bewohner aufmerksam machen, die Ursachen für ihre Armut untersuchen - und die Roma damit schlicht und einfach zurück ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.

Wer sich das Buch genauer anschaut, merkt: Es ist nur auf den ersten Blick ein Reiseführer. Auf den zweiten Blick bringt es eine ganze Kultur näher. “Beograd Gazela” richtet den Blick auf einen Ort, der die jüngere Geschichte der Roma in Südosteuropa widerspiegelt - mit gut recherchierten Informationen und jeder Menge Bildern, die ihre eigene Geschichte erzählen. Für Seriosität sorgt auch der Text, der den unteren Rand des Buches durchzieht: In einer Art Selbstreflexion der Autoren geht es auch um die Frage, ob und wie ein Reiseführer ins Elendsviertel moralisch zur rechtfertigen ist.

Ein interessantes Projekt, aus dem ein spannendes Buch entstanden ist - dessen Lektüre freilich auch dann lohnt, wenn der Leser nicht vor hat, selbst einen Fuß in den Slum zu setzen.

Für bessere Integration: Bücher gehen online

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Interkulturelles Webportal öffentlicher Bibliotheken freigeschaltet

Dass Sprache und Bildung wichtige Grundlagen erfolgreicher Integration sind, ist bekannt. Leider ist das Angebot an fremdsprachigen Büchern oft spärlich. Das neue interkulturelle Webportal öffentlicher Bibliotheken soll Abhilfe schaffen: Es macht seit Anfang Oktober Bibliotheksbestände in mehr als 20 Sprachen zugänglich. Einerseits will das Portal den Bibliothekaren selbst in einem berufsfachlichen Teil Infos und Hilfe für die tägliche Beratung bieten, andererseits erhalten auch die Nutzer über ein Sprachenportal Zugang zu fremdsprachigen Beständen und Online-Wörterbüchern - und das in über 20 Sprachen, darunter auch Arabisch, Chinesisch, Kisuaheli, Tamil oder Thai. Das interkulturelle Portal besitze derzeit noch „offenen Projektcharakter“, so die Verantwortlichen, und könne nur durch die Mitwirkung der Bibliothekare weiter ausgebaut werden. Längerfristiges Ziel sei die Einrichtung einer internationalen Bibliothek.

Die interkulturellen Bestände der Bibliotheken seien, abhängig von den Etats und der Zuwanderung in den jeweiligen Regionen, spürbar erweitert worden, berichtet Boersenblatt.net, der Branchendienst des deutschen Buchhandels. Auch das Fremdsprachensortiment am Buchmarkt erlebe derzeit einen Boom. Verlage erweitern ihre Programme insbesondere mit zweisprachigen Titeln, heißt es beim Börsenblatt.

Trotz Projektcharakter eine äußerst sinnvolle Aktion, die erheblich zur Integration von Migranten beitragen kann. Schließlich wird kaum eine kulturelle Institution in Deutschland so intensiv von Einwanderern genutzt wie die öffentlichen Bibliotheken. Der Service in 20 Sprachen bietet auch den Angehörigen kleinerer Migranten-Gruppen gute Chancen zur Integration – denn dafür ist gerade die Sprache der Schlüssel.

Nähere Infos unter www.interkulturellebibliothek.de

Hosseinis Drachenläufer

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Der Drachenläufer von Khaled Hosseini ist derzeit in aller Munde, nicht zuletzt weil in diesen Tagen die Hollywood-Verfilmung des Weltbestsellers in den deutschen Kinos anläuft. Vielleicht reizt der Roman gerade auch deshalb, weil er so anders ist: Hosseini entführt den Leser in eine Lebenswelt, die nur den Wenigsten bekannt ist. Was wir von Afghanistan wissen, hat seinen Ursprung fast ausschließlich in der Kriegsberichterstattung. Der Drachenläufer dagegen ist auch der Blick von innen heraus.

Drachenläufer BuchcoverAm Rande einer traurigen Erzählung über Freundschaft und Verrat lernt man Vieles über afghanische Geschichte und Kultur. Der Autor Hosseini ist vor zehn Jahren von Afghanistan nach Amerika geflohen. Im Buch wird deutlich, wie der Ich-Erzähler Amir afghanische Traditionen in sein „neues Leben“ in den USA integriert. Von dort aus blickt er auf das Land seiner Kindheit und lernt auch das neue Afghanistan unter den Taliban kennen. Als Erwachsener schildert er eine Gefühlswelt, die einerseits durch Migration begründet ist, andererseits durch Ereignisse in seiner Kindheit, die ihn nicht loslassen.

Das Buch aus der Hand legen: unmöglich! Man fragt sich ständig: Welchen Ausgang nimmt die Geschichte, die sich über 30 Jahre zieht, und sich in ihrer Dramatik immer weiter steigert?

Vor dem Kinobesuch könnte sich die Lektüre des Büchleins lohnen. Denn auch wenn vor und hinter der Kamera ein multikulturelles Team aktiv ist, hat Hollywood nach Meinung von SPIEGEL ONLINE ein „rührseliges Dramolett geschaffen, das zwischen Pilot-Thriller und Kitsch-Kino schwankt“.

In Afghanistan kommt der Film übrigens nicht in die Kinos. Laut des Chefs des staatlichen afghanischen Films seinen einige Szenen “fragwürdig” und “nicht akzeptabel” und könnten Unruhe in der Bevölkerung stiften. Mehr zu den Hintergründen hier.