Stereotypisierung im Web 2.0

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Vielleicht nicht ein Critical Incedent par excellence, aber trotzdem eine hochinteressante Entwicklung zum Thema Stereotypisierung lässt sich momentan in der bunten Welt des Web 2.0 beobachten. Zur Abwechslung expandiert mal ein deutsches Web 2.0. Unternehmen in die USA und gleich hagelt es Probleme. Grund des Anstoßes war das Logo des Social-Bookmarking Dienstes Mister Wong. Dem Namen entsprechend zierte bis vor kurzem ein sympathischer Comic-Asiate die Website. Das Logo wurde nach massiven Protesten amerikanischer Blogger, die den deutschen Betreibern versteckten Rassismus vorwarfen, von der Seite genommen.

misterwong.jpg

Zurück bleibt ein Portal, dem sein Markenzeichen abhanden gekommen ist und ein farbloses Logo, das irgendwie nicht in die bunte Welt des Mit-Mach-Webs passen mag . Im entfernten erinnert die Diskussion an den Karrikaturen-Streit in Dänemark, wenigstens wird im Internet der Kampf mit „Feder und Papier“ ausgeführt und nicht mit brennenden Flaggen und Pflastersteinen.

Mittlerweile zieht die Diskussion solch große Kreise, dass selbst die etablierten Medien darüber berichten und hier, auf dem Blog der Asia-Amerikaner eine hitzige Diskussion entbrannt ist. Von „Klaus – der Uebermensch“ als Racheportal ist hier die Rede, aber auch die Forderung politische Korrektheit nicht ständig als US-Exportschlager zu betrachten. Eine sachliche und fundierte Diskussion, die auch Stereotypisierung thematisiert, bietet sich bei Philipp Lenssen.
Das Grundproblem der Diskussion liegt meiner Meinung nach im unterschiedlichen kulturellen Code der Amerikaner im Vergleich zu uns Europäern. Das Prinzip der equality of opportunity liegt der gesamten amerikanischen Sozialpolitik zu Grunde, weswegen sich im Nordamerikanischen Kulturraum ein ganz anderes Feingefühl in Bezug auf Benachteiligungen und etwaigen rassistischen Äußerungen entwickelt und verfestigt hat. Stichwort „political correctness“. Die Betreiber von Mister Wong haben sich bei der Logoentwicklung jedoch eigentlich nichts böses gedacht.
Was der Autor des Blogs natürlich nicht wissen kann: Gerade in Deutschland ist eine selbstbewusste Generation mit asiatischen Wurzeln herangewachsen, die ganz gezielt mit dem positiven, fleißigen Asiaten-Stereotyp spielt und dieses Bild gezielt für Werbezwecke nutzt: In der asiatischen Gastronomie.
Um die angesprochene negative Fremdwahrnehmung des Logos wirklich zu transportieren müssten aber doch auch negative Aspekte auf dem Logo zu erkennen sein: Auf mich macht Onkel Wong eher einen sympathischen und auf keinen Fall einen negativen Eindruck. Sein ovaler Kopf und seine Statur erinnern mich sogar eher an einen typisch deutschen Altkanzler. Als Vergleich hier mal ein paar Bilder, die mit Abgrenzung als Grunddispositive der Fremdwahrnehmung arbeiten und dem ethnisch geprägten Nationenmodell entstammen, welches die Herabwürdigung des Fremden gezielt als Propagandamaßnahmen einsetzte:
abgrenzung1.jpg
Bleibt festzuhalten, dass Amerikaner asiatischer Herkunft wohl wirklich ein ganz anderes Feingefühl in Sachen Political Correctness haben. Oder aber ein gutes Gespür für „Stereotypen-Marketing“: denn wer Werbung und Adsense auf seiner Seite schaltet, kann mit dem gerade stattfindenden Medienhype sicherlich den einen oder anderen Dollar mehr verdienen, vor allem wenn er den achso vergangenheitsgeschädigten Deutschen Rassismus vorwirft…
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

8asians1.jpg

P.S. Mister Wong hat einen Logo-Wettbewerb ausgerufen, hoffentlich fühlt sich beim neuen Logo niemand auf den Schlips getreten….

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