Quattro Stagioni – Ein Jahr in Rom

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Stefan Ulrichs scherzhafte Hommage an typisch italienische Eigenarten

Was erlebt eine deutsche Familie, wenn Sie ihr Leben aus dem bayerischen Starnberg nach Italien verlegt? SZ-Journalist Stefan Ulrich ging 2005 als Auslandskorrespondent nach Rom. In Quattro Stagioni schildert er subjektiv die kulturellen Hürden im neuen Alltag. Ulrich outet sich als Italien-Liebhaber, wenngleich er die Verhältnisse in Rom wie auch die Italiener mit der ironischen Distanz eines Deutschen betrachtet. Mit dem gekonnten Wortwitz des Journalisten spielt er fleißig mit altbekannten italienischen Klischees und Stereotypen: Das allgegenwärtige „con calma“ („immer mit der Ruhe“) bringt Ulrich mit seinem „teutonischen Tatendrang“ so manches Mal zur Raserei.

Wer Italien ein wenig kennt, wird sich immer wieder mit einem Schmunzeln beim Lesen erwischen – man denkt: „Genau, so sind sie!“ oder „So hab ich es auch erlebt!“ Ulrich räumt aber auch mit dem einen oder anderen Vorurteil auf: Den hohen Lebensstandard (viel reisen, gut essen gehen, modische Kleidung tragen) könnten sich die Italiener nur leisten, weil sie tatsächlich sehr hart arbeiten. Andererseits kämpft Ulrich in Rom auch mit Vorurteilen gegenüber den deutschen „Barbari“, die nicht mal einen „codice fiscale“ besitzen. Natürlich würde der Römer das niemals so ausdrücken – man will ja nicht „brutta figura“ machen.

Trotz Italienliebe ist der Blick nicht einseitig. Besonders interessant ist, wie Ulich die Wahrnehmung seiner Kinder schildert. Sie sehen nicht die geschichtsträchtige Weltstadt mit “Dolce-Vita-Flair”, sondern ein gänzlich anderes Rom: “Während ich all die herrlichen Barockkuppeln sehe, die römischen Ruinen, die Brunnen, die Straßenmärkte, die vielen beschwingten Menschen aus unzähligen Ländern, sieht Bernadette die überquellenden Abfallhaufen, den verkrüppelten Pakistani (…), die verhärmte Frau in schmutzigen Tüchern mit dem schreienden kleinen Kind auf dem Arm und den alten Mann im abgetragenen Sonntagsanzug, der im Park nach Zigarettenkippen sucht, um sich ein paar Tabakreste herauszubohren. Sie riecht die Abgase in den Schraßenschluchten, sie hört die schrillen Sirenen der Krankenwagen. (…) Und sie bildet es sich nicht ein, denn auch dieses Rom existiert.”

Quattro Stagioni ist kein Lehrwerk über die italienische Kultur, sondern vielmehr ein ironischer (und selbstironischer) Erfahrungsbericht über den neuen Alltag einer deutschen Familie im Herzen Italiens. Das Buch lebt von Ulrichs stilistischer Brillanz und der humorvollen, ja liebevollen Art, mit kulturellen Klischees und Stereotypen zu spielen.

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