Verzaubert von Interkultureller Kommunikation

Interkulturelle Kommunikation ist im Trend. Andere Länder, andere Sitten - und alle wissen Bescheid: In China machen sie dies, in Afrika jenes… Der weltoffene, vielgereiste Bürger von heute profiliert sich bei jeder Gelegenheit durch solche Sprüche. Man kennt sich halt aus in der Welt!

Fragt man diese Kosmopoliten dann, was eigentlich genau dahinter steckt, geraten die meisten schon ins Stottern. Schlimmer noch: Die Wenigsten haben sich überhaupt solche Gedanken gemacht. Die psychologischen, historischen Wurzeln bestimmter Gebräuche, Verhaltensweisen oder sprachlicher Ausdrücke werden einfach ausgeblendet.

Interkulturelle Trainings: “Kurzzeitig intensiv berührt”

Da nützt auch ein zweitätiges Intensivtraining zur Interkulturellen Kommunikation nicht wirklich was. Das jedenfalls meint Dr. Petia Genkova von der Universität Passau. Im „Report Psychologie“ (1/2010) nimmt die deutsch-bulgarische Psychologin kein Blatt vor den Mund: “Verzaubert von dem Gegenstand der interkulturellen Kommunikation, wonach alle so wunderbar unterschiedlich sind, ist man kurzfristig intensiv bemüht, besonders verständnisvoll und tolerant zu sein.” Mit anderen Worten: Gut gemeint, nützt aber nichts!

Ganz so kritisch würde ich das nicht sehen. Das steigende Interesse an Interkultureller Kommunikation ist doch grundsätzlich nicht verkehrt. Nicht jeder kann sich auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema befassen. Und mal ehrlich: Offenheit und echtes Interesse sind doch die besten Voraussetzungen für ein tieferes Verständnis des „Anderen“. Und so gesehen ist der Smalltalk über den letzten Urlaub ja auch nur die Spitze des Eisbergs. 

Der “Weltempfänger” – Die alternative Bestenliste

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Frankfurter Buchmesse 2009: China ist Partnerland - und die Messe bietet wieder ausreichend Gelegenheit, sich über internationale Literatur zu informieren. Die deutsche Bücherwelt freut sich besonders auf Diskussionen, Gespräche und Lesungen zur chinesischen Literatur. Wer nun aber keine Zeit hat, selbst über die Buchmesse zu schlendern, dem empfehle ich den “Weltempfänger“, die alternative Bestenliste, herausgegeben von der “Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika” (litprom). Ziel der Gesellschaft: “Unbekannte Stimmen hörbar zu machen und Nebenwege durch die Überfülle der Neuerscheinungen zu erschließen”.

Auf der aktuellen Bestenliste ist China freilich stark vertreten: Yu Hua ist drauf, mit seinem umfangreichen Roman „Brüder“, Ma Jian, der mit dem Leser in „Red Dust“ durch China reist und Feng Li mit der Satire über einen alternden Bürokraten. Wem das nicht reicht, der bekommt bei Litprom noch mehr Inspiration. In der Weltempfänger-Jury sitzen vorwiegend Kultur-Redakteure großer Medien, den Vorsitz hat Ilija Trojanow, Autor von “Der Weltensammler”. Medienpartner ist der TV-Sender ARTE, der den “Weltempfänger” mit News und Rezensionen begleitet.

Auch unabhängig von der Buchmesse macht der „Weltempfänger“ regelmäßig auf teils weniger beachtete Juwelen der internationalen Literatur aufmerksam, „… denn Literatur ist Welterfahrung und die Welt hört nicht an den Grenzen Europas auf.“ (Kristina Pfoser, Literaturkritikerin ORF1 und Mitglied der Weltempfänger-Jury)

Neapel: Ex-Sträflinge als Reisebegleiter

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In seinem Bestseller „Gomorrah“ gibt Roberto Saviano recht detailliert Einblick in die Machenschaften der italienischen Mafia. Zahllose Menschen sind und waren im “wirtschaftlichen” Netz der Camorra gefangen - verhaftet wurden freilich auch solche, die von Mord und Gewaltverbrechen weit entfernt waren.

Das Pilotprojekt als neue Chance

In Neapel startet jetzt ein Pilotprojekt, das diesen Ex-Häftlingen eine neue Chance bietet: Für 500 Euro im Monat kümmern sich die Entlassenen um Neapel-Touristen. In gelben Westen verteilen sie Stadtpläne, geben Auskunft über bestimmte Stadtviertel und führen die Gäste sicher ans Ziel. Der Gewinn für die Touristen liegt auf der Hand: Allzu leicht verlaufen sich Besucher in den vielen kleinen Gässchen der verwinkelten Altstadt – ein Mekka für Taschendiebe. Den Kreuzfahrt-Touristen geben die Ex-Sträflinge schon am Hafen Tipps: zum Beispiel, dass man die Rolex besser an Bord lässt.

Kritik: Mafiosi werden auf Touristen losgelassen

Eigentlich sind Sie die perfekten Reisebegleiter: Niemand kennt die Stadt besser – und jeder führt nur durch das Viertel, in dem er selbst aufgewachsen ist. Trotzdem muss der kampanische Bildungsreferent Corrado Gabriele für seine Idee auch Kritik einstecken: Mafiosi und Gewaltverbrecher würden in Neapel auf die Touristen losgelassen, heißt es in Rom. In Wirklichkeit handelt es sich um Menschen, die unter das Amnestiegesetz fallen. Trotzdem bleibt deren soziale Wiedereingliederung schwierig – das Pilotprojekt hilft Ihnen, Verantwortung zu übernehmen und Geld für Ihre Familien zu verdienen. Eine Chance, für die sie sogar Drohungen durch die Camorra in Kauf nehmen.

Das Currywurstlebensgefühl

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In Berlin eröffnet das erste Currywurstmuseum der Welt

Die Currywurst, ein Stück deutscher Kultur? Darüber lässt sich streiten! Trotzdem wird in Berlin bald das erste Currywurstmuseum der Welt eröffnet.

Der pädagogische Nutzen ist eher fraglich. Es sei denn, man möchte etwas lernen über Imbissbudentypen, den ökologischen Kreislauf der Currywurst-Pappschale oder die regionalen Unterschiede der Wurst (geräuchert, ungeräuchert, mit oder ohne Darm). Ein Soßenstrom führt durchs Museum, pausiert wird auf dem Wurstsofa: Eine echte Erlebnisausstellung eben.

Die Currywurst als gesellschaftliches Phänomen

Den Betreibern geht es vor allem um die Currywurst als gesellschaftliches Phänomen, also etwa die Frage: Welchen Stellenwert hat die Wurst in Deutschland und der Welt. Denn die Currywurst sei mehr als nur ein Lebensmittel: Sie stehe für ein Lebensgefühl – und sei als urbaner Snack Wirtschaftsfaktor und Kultobjekt zugleich.

Wie tief man in die Currywurst-Materie eintaucht, bleibt freilich jedem selbst überlassen. Gut möglich, dass das Museum ein Erfolg wird - sogar Schulklassen haben sich schon angekündigt, um Pommes und Wurst aus Plastik zu bestaunen. Ich kann dazu nur sagen: Wenn schon Currywurst, dann lieber zum reinbeißen!

Mehr Infos gibt’s unter www.currywurstmuseum.de

Anthony Bourdain: Eine Frage des Geschmacks

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Sag mir was du isst, und ich sage dir, wer du bist

Essgewohnheiten, Nationalgerichte oder die Art und Weise ihrer Zubereitung verraten mitunter viel über die Kultur eines Volkes. Genau diesen Zugang zur Kultur wählt der New Yorker Koch und Gourmet Anthony Bourdain. Er reist mit seinem Kamerateam durch die Welt, kostet mehr oder weniger exotische Spezialitäten der landestypischen Küchen und präsentiert diese in seiner Fernsehsendung Anthony Bourdain: No Reservations (deutsch: Anthony Bourdain – Eine Frage des Geschmacks) einem weltweiten Publikum.
Doch die Arbeit des New Yorker Küchenchefs ist weit mehr als die Präsentation exotischer Gaumenfreuden: Bei jeder Reise begegnet er der Küche und Kultur mit beispielhafter Offenheit: völlig unvoreingenommen, oder aber in vollem Bewusstsein über die festgefahrenen Vorstellungen in seinem Kopf.

Zu Gast bei einheimischen Familien

Besonders spannend aus interkultureller Sicht: Bourdain lässt sich für jede Folge von „No Reservations“ von einem englischsprachigen „Local“ in die Esskultur des Landes einführen. Mithilfe dieses Insider-Wissens nähert er sich Stück für Stück den kulturellen Besonderheiten: Anthony hat Hunger – sein Guide offenbart einen Geheimtipp oder eine Empfehlung, wie beispielsweise gebackene Schweineohren am Straßenrand. Aber damit nicht genug: Einheimische Familien laden den reisenden Koch zu sich nach Hause ein, präsentieren ihm und seinem Publikum voller Stolz ihre vielfältigen Köstlichkeiten. Doch Anthony Bourdain schaut im wahrsten Sinne über den Tellerrand hinaus. Er will verstehen, was die Menschen bewegt und wie sie leben. Er setzt bei dem an, was er weiß oder gehört hat, forscht weiter, stellt seinen Gastgebern alle Fragen, die ihm auf den Nägeln brennen – und entkräftet dabei das eine oder andere Klischee.

Kultur in 45 Minuten

Keinen Kontinent spart Anthony Bourdain für seine Sendung aus, isst bei einem afrikanischen Naturvolk in Asche und Dreck gekochte Straußeneier oder macht sich auf die Suche nach dem besten Junk-Food in Kalifornien. Freilich sind einer 45-minütigen Sendung Grenzen gesetzt. Und genau da liegt das Besondere: Anthony Bourdain maßt sich nicht an, die Kultur nach einer Reise zu kennen. Er gesteht sich ein, wie wenig er eigentlich weiß, zieht keine allgemeingültigen Schlüsse aus dem Erlebten, lässt offene Fragen stehen. Zum Weiterdenken. Seine Herangehensweise ist und bleibt wertvoll: Denn wo könnte ein Reisender mehr über die Menschen, ihr Denken und ihre Lebensweise erfahren, als in tiefgreifenden Gesprächen als Gast am heimischen Tisch?

Eine Frage des Geschmacks läuft Sonntag abends auf DMAX.
Die erste Staffel ist bereits auf DVD erhältlich:
Anthony Bourdain - Eine Frage des Geschmacks - Staffel 1

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