Neapel: Ex-Sträflinge als Reisebegleiter

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In seinem Bestseller „Gomorrah“ gibt Roberto Saviano recht detailliert Einblick in die Machenschaften der italienischen Mafia. Zahllose Menschen sind und waren im “wirtschaftlichen” Netz der Camorra gefangen - verhaftet wurden freilich auch solche, die von Mord und Gewaltverbrechen weit entfernt waren.

Das Pilotprojekt als neue Chance

In Neapel startet jetzt ein Pilotprojekt, das diesen Ex-Häftlingen eine neue Chance bietet: Für 500 Euro im Monat kümmern sich die Entlassenen um Neapel-Touristen. In gelben Westen verteilen sie Stadtpläne, geben Auskunft über bestimmte Stadtviertel und führen die Gäste sicher ans Ziel. Der Gewinn für die Touristen liegt auf der Hand: Allzu leicht verlaufen sich Besucher in den vielen kleinen Gässchen der verwinkelten Altstadt – ein Mekka für Taschendiebe. Den Kreuzfahrt-Touristen geben die Ex-Sträflinge schon am Hafen Tipps: zum Beispiel, dass man die Rolex besser an Bord lässt.

Kritik: Mafiosi werden auf Touristen losgelassen

Eigentlich sind Sie die perfekten Reisebegleiter: Niemand kennt die Stadt besser – und jeder führt nur durch das Viertel, in dem er selbst aufgewachsen ist. Trotzdem muss der kampanische Bildungsreferent Corrado Gabriele für seine Idee auch Kritik einstecken: Mafiosi und Gewaltverbrecher würden in Neapel auf die Touristen losgelassen, heißt es in Rom. In Wirklichkeit handelt es sich um Menschen, die unter das Amnestiegesetz fallen. Trotzdem bleibt deren soziale Wiedereingliederung schwierig – das Pilotprojekt hilft Ihnen, Verantwortung zu übernehmen und Geld für Ihre Familien zu verdienen. Eine Chance, für die sie sogar Drohungen durch die Camorra in Kauf nehmen.

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