Mit dem VW-Bus auf Integrationskurs
123 Istanbul
Ein alter VW-Bus auf Integrationskurs: Für die 3Sat-Sendung 123 Istanbul sind Katrin Bauerfeind und Henning Wehland zu einer abenteuerlichen Wettfahrt gestartet – durch den südlichen Balkan bis nach Istanbul. Nach der 3.000 Kilometer weiten Reise durch acht Länder locken in Istanbul der Pokal und ein türkischer Pass. Unterwegs gilt es, verschiedene Aufgaben rund um Land und Leute zu lösen - dafür gibt es dann die begehrten Integrationspunkte.
Begleitet werden die ehrgeizigen Kontrahenten von einem besonderen Reiseleiter: Musiker und Entertainer Friedrich Liechtenstein zeigt den beiden Deutschen schöne Landstriche und bringt ihnen historisch und kulturell bedeutsame Orte näher – von Slowenien über Albanien bis in die Türkei. Wer von beiden macht das Rennen? Mittwoch abends im 3Sat!
Folge 3: Mittwoch, 4. März 2009
Folge 4: Mittwoch, 11. März 2009
Mehr unter www.123istanbul.de.
Fremd bleibt Fremd
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Mangelnder Integrationserfolg wird messbar
„Wer als fremder kommt, bleibt fremd“, schreibt Der Spiegel und bezieht sich auf eine ganz und gar neuartige Studie zur Lage der Integration in Deutschland, veröffentlicht vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Erstmals lassen sich die Integrationserfolge einzelner Gruppen anhand eines Index messen – nach Kriterien wie Bildungsstand, Erwerbsleben oder Annäherung in Form bikultureller Ehen. Neu ist auch: Die Studie erfasst Migranten mit deutschem Pass. Wer auf dem Papier bereits deutsch ist, war bislang bei solchen Studien durchgerutscht.
Die Studie ist neu, das Ergebnis bleibt jämmerlich: Dass der deutsche Pass nicht für bessere Integration sorgt, klingt zwar logisch. Dass sich jedoch auch nach drei Generationen kein wirklicher Erfolg abzeichnet, ist einfach nur traurig. Das Sorgenkind bleibt die zweitgrößte Zuwanderungsgruppe in Deutschland: unsere türkischstämmigen Mitbürger. Warum es auch nach so langer Zeit nicht klappt mit der Integration, kann und soll hier nicht beantwortet werden. Sicher aber ist: Die meisten Zuwandererfamilien bekommen deutlich mehr Kinder als die deutschen Familien. Zu viele dieser Migrantenkinder wachsen in Parallelwelten auf, bleiben ohne Zukunftschancen. Dabei könnte das kinderarme Deutschland – auch wirtschaftlich gesehen – gut ausgebildeten Nachwuchs dringend brauchen.
Möchte man dennoch Gewinner der Integration ausmachen, so sind es die Gastarbeiter der ersten Stunde aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland. Und auch einen wahren Überraschungserfolg präsentiert die Studie: die Integration der Aussiedler. Mehr noch als die Deutschen nutzt diese Gruppe Gymnasien und Universitäten. Inzwischen werden hierzulande rund ein Drittel aller Kinder in Migranten-Familien geboren. Geben wir ihnen eine Chance – und nutzen wir die unsere.
Die Komik zwischen den Kulturen
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Fachgebiet des Comedian Kaya Yanar? Kulturelle Unterschiede! Quelle der Inspiration? Die eigene Biografie. Als türkischstämmiger Deutscher hat Yanar erkannt: Interkulturelle Kommunikation bietet schier endlosen Stoff fürs Comedy-Programm. Während man bei ihm selbst von geglückter Integration sprechen kann (deutsche Schule, deutsches Studium etc.), macht sich Yanar von Berufs wegen über alle Facetten des türkisch-deutschen Zusammenlebens lustig. In seinem neuen Programm „Made in Germany” regt er die Deutschen zur Selbstironie an - und erweitert seine Inspirationsquellen: Auch Inder, Chinesen, Holländer oder Isländer sind dankbare Opfer.
Heidi auf Arabisch
Wortgewandt, gestenreich und mit unverwechselbarer Mimik witzelt Yanar über Kulturen, Integration und sprachliche Besonderheiten. Geschickt klärt er über paraverbale Eigenheiten der Sprachen auf (Deutsch, Chinesisch, Arabisch, Türkisch…) und führt anschaulich in die Wirkung von Prosodie und Intonation ein: Wie klingt “Heidi” auf Arabisch? Kaya Yanar weiß es! Oder Türkisch: Die Sprache sei mit ihren vielen ü’s eigentlich richtig „putzig”. Wer sich von Halbstarken mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland eingeschüchtert fühlt - nach dem Motto: Ey, du! Ja genau du, was guckst du? - dem rät Yanar: hinter der Ecke warten, bis sie wieder Türkisch sprechen. Putzige kleine Jungs seien das dann, die man gar nicht fürchten könne.
Seine Späße zünden, egal ob sie lediglich bekannte Klischees bedienen oder Vorurteile als solche enttarnen. Tatsächlich schafft es Yanar immer wieder, scherzhaft auf interkulturelle Sachverhalte aufmerksam zu machen, die vielen nicht bewusst sind. Jede Szenerie wird mehr als lebendig, wenn Yanar temperamentvoll zwischen den (kulturellen) Rollen hin- und herspringt. Man könnte meinen, er bewegt sich auf heiklem Terrain - schließlich ist Interkulturelle Kommunikation ein sensibles Thema. Doch der Comedian besitzt eben diese Sensibilität, ist intelligent genug, jeden Gag so zu verpacken, dass niemand sich provoziert oder diskriminiert fühlt. Er bezieht seine Fans ebenso aus dem deutschen wie aus dem türkischen “Lager”. Damit wird er zum Vermittler zwischen den Kulturen: Sein Publikum ist groß, breit gefächert, und vor allem: Es schenkt im Gehör!
Kaya Yanar live:
30.10.08 Kassel, Stadthalle
12.12.08 Freiburg, Paulussaal
Weitere Termine unter www.kaya-yanar.de
Fußballverein erhält Integrationspreis
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Der Berliner Fußballverein Türkiyemspor wird nur Wenigen ein Begriff sein. Doch es hätte auch anders kommen können. Um ein Haar nämlich wäre der Fußballverein vor Jahren in die zweite deutsche Bundesliga aufgestiegen. Es war die Zeit, in der die Strengen Nationalitätenregelungen im Deutschen Fußball allmählich gelockert wurden und die Bundesliga sich für Kicker aus dem Ausland öffnete. Heute ist Türkiyemspor längst nicht mehr nur mit Türken besetzt. Die erste Mannschaft wird von einem Deutschen trainiert, in ihr spielen Fußballer sieben unterschiedlicher Nationalitäten.
Der Verein, der eher zufällig beim Kickern der ersten Einwanderergeneration in den Straßen Kreuzbergs entstanden ist, war zunächst eher ein Fluchtpunkt, ein Mittel zur Identifikation. Daraus entwickelte sich ein Fußballverein, der nicht nur kulturell aufgeschlossen ist, er zeigt sich auch fortschrittlich im Bezug auf türkische Traditionen: Es gibt eine Mädchengruppe bei Türkiyemspor, in der Türkinnen mit deutschen, kurdischen, italienischen oder iranischen Spielerinnen trainieren. So erobern immer mehr türkische Mädchen in Deutschland die Männerdomäne Fußball – wenn auch teils unter den skeptischen Blicken anderer türkischer Eltern.
Weil Türkiyemspor darüber hinaus auch noch soziale Projekte betreibt, wurde der Verein vom Deutschen Fußballbund mit dem Integrationspreis ausgezeichnet. Aufklärungsprojekte gegen Gewalt in der Familie oder gegen Diebstahl bei türkischen Jugendlichen – der Verein nutzt die Autorität, die er bei seinen jugendlichen Mitgliedern besitzt, für eine integrative Erziehungsarbeit. Bei Auswärtsspielen im Osten kommt es immer wieder zu rassistischen Anfeindungen durch Zuschauer. Der Verein reagiert darauf mit Verhaltensschulungen, um eine Eskalation auf dem Rasen zu vermeiden. Das reichte dem DFB aus, um Türkiyemspor mit dem Integrationspreis (im Rahmen des nationalen Integrationsplans) zu honorieren. Der Name Türkiyemspor bedeutet zwar übersetzt „meine Türkei“, doch auf dem Wappen zeigt sich der integrative Ansatz: Hier trifft der türkische Halbmond auf den Berliner Bären.
