Alte neue Weltgesellschaft
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Neu ist globales Denken nicht. Auch nicht in der Strukturpolitik. Doch Christoph Zöpel, ehemaliger Staatsminister im Auswärtigen Amt, ruft die Weltgesellschaft in seinem Buch wieder auf den Plan. Wie funktioniert „Politik mit 9 Milliarden Menschen in Einer Weltgesellschaft“? Mit dieser zentralen Frage befasst sich Zöpel auf über 600 Seiten. Die Grundthese lautet sinngemäß: Politisches Denken und Handeln kann nie losgelöst von der Realität der Weltgesellschaft stattfinden.
Die Hauptthesen sind gut durchdacht, und bieten freilich viel Stoff für Diskussionen: Zöpel wendet sich – vereinfacht gesagt – gegen die Übermacht nationaler Traditionen, da diese der Einheit der Weltgesellschaft im Wege stehen. Außerdem dürfe sich die Weltgesellschaft nicht allein auf die Wirtschaft beschränken, fordert der studierte Ökonom. Armut und Ungerechtigkeit müssten bekämpft werden – nicht zuletzt, um das Wachstum der Bevölkerungszahl zu begrenzen: Denn 2050 wird es neun Milliarden Menschen auf der Welt geben.
Die Eine Weltdemokratie ist keine Utopie
Die drängenden globalen Politikfelder wie Friedenssicherung, soziale Integration, nachhaltige Entwicklung, Wirtschaft und Finanzen führt Zöpel zu einer „integrierten Weltentwicklungspolitik“ zusammen. Die Eine Weltdemokratie mit universalen Menschenrechten, globaler Verfassung und Gewaltenteilung ist für den erfahrenen Politiker auch in der Realität durchaus denkbar.
Wirklich neu sind Zöpels Thesen nicht. Doch sind sie weder naiv noch unkritisch. Vielmehr denkt Zöpel immer einen Schritt weiter. Oder, was noch wichtiger ist: lädt zum Weiterdenken ein.
Quelle:
Christoph Zöpel: Politik mit 9 Milliarden Menschen in Einer Weltgesellschaft. Vorwärts Buch, Berlin 2008.
Petrodollars für den kulturellen Wandel
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Kulturimport in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Der Islam im Museum - das ist auf den ersten Blick ein Widerspruch. Während Museen in der Westlichen Welt aus dem kulturellen Leben nicht mehr wegzudenken sind, herrscht im Islam ein Bilderverbot. Museen, genau wie andere Elemente westlicher Kultur gibt es in den Vereinigten Arabischen Emiraten trotzdem. Allerdings hatten diese bislang meist westliche Kultur zum Gegenstand: Wertvolle Gemälde europäischer Künstler oder Opernaufführungen zum Beispiel. Dass nun aber die Islamische Kultur selbst zum Objekt wird, ist tatsächlich neu.
Ein Museum für Islamische Kultur
Es ist bekannt, dass die reichlichen Petrodollars auch in kulturelle Projekte nach westlichem Vorbild fließen. Jetzt aber entsteht in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Museum für Islamische Kultur. Der Islam wird damit zum Objekt, zum Gegenstand eines Museums, in einem arabischen Land. Das ist neu.
Ziel des Museumsprojekts ist nicht nur, westliche Touristen anzulocken. Den Verantwortlichen ist auch daran gelegen, ein differenziertes Bild des Islam zu zeigen. Eines Islam, der nach Aussage der Projektleiterin vor hundert Jahren deutlich “moderner” gewesen sei als heute.
Zeichen für einen kulturellen Wandel? Während einzelne Elemente der westlichen Kultur in den VAE rasch Gestalt annehmen, wird ein “kultureller Wandel” sicher deutlich mehr Zeit brauchen, als Architekten und Museumsbauer.
