2008: Das Europäische Jahr des Interkulturellen Dialogs

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Es ist nicht schwer zu erraten, was sich hinter solch einem Jahr verbirgt. Dennoch: Dass die Europäische Union das angelaufene Jahr 2008 zum Jahr des Interkulturellen Dialogs erklärt hat, sollte hier nicht unerwähnt bleiben. Mit der Aktion will die EU nicht nur Interesse wecken, sie wirbt auch für den aktiven Dialog mit anderen Kulturen. Schließlich will man den europäischen Bürgern das Gefühl vermitteln, dass kulturelle Vielfalt das Leben bereichert.

Hinter diesen etwas breitgetretenen Floskeln verbirgt sich eine Reihe spannender Veranstaltungen. Nur ein Beispiel: Koordiniert vom European Music Office soll eine Internetportal entstehen, auf dem junge europäische Künstler Gelegenheit haben, zusammen Songs zur schreiben. Daraus wird schließlich eine Single veröffentlicht – in mehreren Sprachen, versteht sich! Seminare zur HipHop-Kultur in verschiedenen Ländern sowie das dreitägige Urban Culture Event in Wien runden das Musikprojekt ab. Hier zeigt sich: Das Europäische Jahr des Interkulturellen Dialogs hat besonders auch die Jugend in Europa im Visier. Darüber hinaus gibt es internationale Filmprojekte, Ausstellungen, Debatten, ja sogar Seminare zur Methodik der interkulturellen Pädagogik sind geplant. Sieben Projekte laufen länderübergreifend auf europäischer Ebene, darüber hinaus eines in jedem EU-Staat. Als „EU-Botschafter für interkulturellen Dialog“ treten Persönlichkeiten der internationalen Kulturszene auf, darunter beispielsweise der brasilianische Bestsellerautor Paolo Coelho.

Was die Europäer tatsächlich von der kulturellen Vielfalt halten, zeigt das Eurobarometer. Immerhin: Laut den von der Kommission im Dezember veröffentlichten Daten begrüßen drei von vier EU-Bürgern den Dialog mit anderen Kulturen.

Wer mehr über die geplanten Projekte und Ziele erfahren möchte - hier die offizielle Website: www.interculturaldialogue2008.eu.

Sprache im Web 2.0

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Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin hat letzte Woche einen meines Erachtens sehr interessanten Vortrag innerhalb des eLearning@fhtw Kolloquiums veranstaltet. Zu Gast war der Geschäftsführer des European Language Competence, Dr. Rudolf Camerer, und referierte über das Thema „Was bedeutet Sprache für die virtuelle Kommunikation im globalen und interkulturellen Umfeld?“
Gegenstand seines Vortrags waren unter anderem die Diskussion der Auswirkungen von neuen Kommunikationsformen wie Blogs, Wikis und Podcasts auf die Sprache. Dabei zeigte er anhand von praxisnahen Beispielen, wie Sprache auch unter globalen Verhältnissen erfolgreich zur Kultur übergreifenden Kommunikation eingesetzt werden kann und welche Auswirkungen dies auf Personalausbildung und –entwicklung haben wird.

Schade, dass wir nicht in den Genuss dieses Vortrags gekommen sind. Für alle, die das Thema vielleicht interessiert: Hier findet Ihr einen Aufsatz von Rudolf Camerer über das Verhältnis von Interkultureller Kompetenz und Sprachkompetenz.

Hosseinis Drachenläufer

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Der Drachenläufer von Khaled Hosseini ist derzeit in aller Munde, nicht zuletzt weil in diesen Tagen die Hollywood-Verfilmung des Weltbestsellers in den deutschen Kinos anläuft. Vielleicht reizt der Roman gerade auch deshalb, weil er so anders ist: Hosseini entführt den Leser in eine Lebenswelt, die nur den Wenigsten bekannt ist. Was wir von Afghanistan wissen, hat seinen Ursprung fast ausschließlich in der Kriegsberichterstattung. Der Drachenläufer dagegen ist auch der Blick von innen heraus.

Drachenläufer BuchcoverAm Rande einer traurigen Erzählung über Freundschaft und Verrat lernt man Vieles über afghanische Geschichte und Kultur. Der Autor Hosseini ist vor zehn Jahren von Afghanistan nach Amerika geflohen. Im Buch wird deutlich, wie der Ich-Erzähler Amir afghanische Traditionen in sein „neues Leben“ in den USA integriert. Von dort aus blickt er auf das Land seiner Kindheit und lernt auch das neue Afghanistan unter den Taliban kennen. Als Erwachsener schildert er eine Gefühlswelt, die einerseits durch Migration begründet ist, andererseits durch Ereignisse in seiner Kindheit, die ihn nicht loslassen.

Das Buch aus der Hand legen: unmöglich! Man fragt sich ständig: Welchen Ausgang nimmt die Geschichte, die sich über 30 Jahre zieht, und sich in ihrer Dramatik immer weiter steigert?

Vor dem Kinobesuch könnte sich die Lektüre des Büchleins lohnen. Denn auch wenn vor und hinter der Kamera ein multikulturelles Team aktiv ist, hat Hollywood nach Meinung von SPIEGEL ONLINE ein „rührseliges Dramolett geschaffen, das zwischen Pilot-Thriller und Kitsch-Kino schwankt“.

In Afghanistan kommt der Film übrigens nicht in die Kinos. Laut des Chefs des staatlichen afghanischen Films seinen einige Szenen “fragwürdig” und “nicht akzeptabel” und könnten Unruhe in der Bevölkerung stiften. Mehr zu den Hintergründen hier.

Fußballverein erhält Integrationspreis

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Der Berliner Fußballverein Türkiyemspor wird nur Wenigen ein Begriff sein. Doch es hätte auch anders kommen können. Um ein Haar nämlich wäre der Fußballverein vor Jahren in die zweite deutsche Bundesliga aufgestiegen. Es war die Zeit, in der die Strengen Nationalitätenregelungen im Deutschen Fußball allmählich gelockert wurden und die Bundesliga sich für Kicker aus dem Ausland öffnete. Heute ist Türkiyemspor längst nicht mehr nur mit Türken besetzt. Die erste Mannschaft wird von einem Deutschen trainiert, in ihr spielen Fußballer sieben unterschiedlicher Nationalitäten.

Der Verein, der eher zufällig beim Kickern der ersten Einwanderergeneration in den Straßen Kreuzbergs entstanden ist, war zunächst eher ein Fluchtpunkt, ein Mittel zur Identifikation. Daraus entwickelte sich ein Fußballverein, der nicht nur kulturell aufgeschlossen ist, er zeigt sich auch fortschrittlich im Bezug auf türkische Traditionen: Es gibt eine Mädchengruppe bei Türkiyemspor, in der Türkinnen mit deutschen, kurdischen, italienischen oder iranischen Spielerinnen trainieren. So erobern immer mehr türkische Mädchen in Deutschland die Männerdomäne Fußball – wenn auch teils unter den skeptischen Blicken anderer türkischer Eltern.

Wappen TürkiyemsporWeil Türkiyemspor darüber hinaus auch noch soziale Projekte betreibt, wurde der Verein vom Deutschen Fußballbund mit dem Integrationspreis ausgezeichnet. Aufklärungsprojekte gegen Gewalt in der Familie oder gegen Diebstahl bei türkischen Jugendlichen – der Verein nutzt die Autorität, die er bei seinen jugendlichen Mitgliedern besitzt, für eine integrative Erziehungsarbeit. Bei Auswärtsspielen im Osten kommt es immer wieder zu rassistischen Anfeindungen durch Zuschauer. Der Verein reagiert darauf mit Verhaltensschulungen, um eine Eskalation auf dem Rasen zu vermeiden. Das reichte dem DFB aus, um Türkiyemspor mit dem Integrationspreis (im Rahmen des nationalen Integrationsplans) zu honorieren. Der Name Türkiyemspor bedeutet zwar übersetzt „meine Türkei“, doch auf dem Wappen zeigt sich der integrative Ansatz: Hier trifft der türkische Halbmond auf den Berliner Bären.