Interkulturell oder rassistisch

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Der Fall Tim und Struppi

Bestes Beispiel: Der Fall „Tim und Struppi“. Ein in Belgien lebender Kongolese will jetzt den Comic “Tim im Kongo” aus der beliebten Kinderbuch-Reihe “Tim und Struppi“ verbieten lassen. Begründung: Der Inhalt sei rassistisch. Der Comic vermittle ein erniedrigendes und entwürdigendes Bild der Schwarzen im Kongo. Zwar wurde der erstmals 1930 erschienene Comic von Comic-Zeichner Hergé selbst bereits überarbeitet – die 1930 erschienene Version war deutlich vom Denken des Kolonialismus geprägt. Doch laut Bienvenu Mbutu verfestige der Comicband immer noch Vorurteile gegenüber Kongolesen.

Die Verantwortung der Eltern

Der Fall Tim und Struppi zeigt, dass die Grenze von interkulturell wertvoll zu rassistisch im Einzelfall verschwimmen kann. Er macht aber auch deutlich: Ein kritischer Blick der Eltern ins Buch schadet nie. Denn – sei es bewusst oder unbewusst – in der Fülle des Angebots können sich theoretisch immer auch schwarze Schafe verstecken. Im vorigen Beitrag wurde auf eine Liste interkultureller Kinderbücher hingewiesen – Bücher, die Eltern bei der interkulturellen Erziehung ihrer Kinder unterstützen können. Ich habe natürlich nicht jeden einzelnen Titel vorher geprüft – sie stammt von der Homepage des Bildungsserver Niedersachsen. Eine gute Quelle, würde ich sagen. Trotzdem sollten Eltern in jedem Fall vorab genau prüfen, was Sie Ihren Kindern zu lesen geben.

Interkulturelle Toleranz bei Kindern

Kinder wachsen heute mit einem anderen Verständnis von Interkulturalität auf. War eine Klassenkameradin aus der Türkei oder aus Bulgarien vor 20 Jahren noch eine Exotin – mit der kaum jemand etwas zu tun haben wollte –, werden in den Klassenzimmern von heute ganz selbstverständlich Kinder unterschiedlicher Herkunft nebeneinander unterrichtet. Wir wissen zwar, dass das nicht immer ganz problemlos abläuft – man braucht nur an die ständigen Debatten um den Religionsunterricht zu denken. Das gute aber ist: Interkulturelle Freundschaften entwickeln sich heute fast unterschiedslos zu deutsch-deutschen Freundschaften.

Ohne Vorbehalte aufeinander zugehen

So ganz ohne Vorbehalte können wohl nur junge Menschen aufeinander zugehen. Diese Selbstverständlichkeit, mit der die Kinder heute ihre Klassenkameraden mit Migrationshintergrund akzeptieren, kann man sich bei manchem Erwachsenen nur wünschen. Hier ist die Toleranzschwelle leider oft viel geringer. Weil aber Erwachsene im Rahmen der Erziehung großen Einfluss auf ihre Kinder haben, darf dieser Punkt nicht außer Acht gelassen werden.

Der Beitrag der Eltern zur Interkulturellen Toleranz

Eltern können einen wichtigen Beitrag leisten zur Entwicklung der Interkulturellen Kompetenz ihrer Kinder – und zwar nicht nur durch eigenes Verhalten und Erläuterungen. Sie können ihre Kinder beispielsweise auch mit entsprechenden Büchern an das Thema heranführen. Im Handel gibt es jede Menge Bücher, die interkulturelle Themen kindgerecht aufbereiten und damit bestens geeignet sind, die Sensibilität und Toleranz der Kinder auszubilden bzw. zu fördern. Claudia Maria Korte vom Projekt Lesebus in Niedersachsen hat eine interessante Liste mit Kinderbüchern zusammengestellt, die im Hinblick auf die Interkulturelle Kommunikation wertvoll sind. Das fängt schon bei den ganz kleinen an, mit interkulturellen Bilderbüchern. Wer die Liste einmal genauer durchsieht, kann tatsächlich das eine oder andere Juwel entdecken!

Verzaubert von Interkultureller Kommunikation

Interkulturelle Kommunikation ist im Trend. Andere Länder, andere Sitten - und alle wissen Bescheid: In China machen sie dies, in Afrika jenes… Der weltoffene, vielgereiste Bürger von heute profiliert sich bei jeder Gelegenheit durch solche Sprüche. Man kennt sich halt aus in der Welt!

Fragt man diese Kosmopoliten dann, was eigentlich genau dahinter steckt, geraten die meisten schon ins Stottern. Schlimmer noch: Die Wenigsten haben sich überhaupt solche Gedanken gemacht. Die psychologischen, historischen Wurzeln bestimmter Gebräuche, Verhaltensweisen oder sprachlicher Ausdrücke werden einfach ausgeblendet.

Interkulturelle Trainings: “Kurzzeitig intensiv berührt”

Da nützt auch ein zweitätiges Intensivtraining zur Interkulturellen Kommunikation nicht wirklich was. Das jedenfalls meint Dr. Petia Genkova von der Universität Passau. Im „Report Psychologie“ (1/2010) nimmt die deutsch-bulgarische Psychologin kein Blatt vor den Mund: “Verzaubert von dem Gegenstand der interkulturellen Kommunikation, wonach alle so wunderbar unterschiedlich sind, ist man kurzfristig intensiv bemüht, besonders verständnisvoll und tolerant zu sein.” Mit anderen Worten: Gut gemeint, nützt aber nichts!

Ganz so kritisch würde ich das nicht sehen. Das steigende Interesse an Interkultureller Kommunikation ist doch grundsätzlich nicht verkehrt. Nicht jeder kann sich auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema befassen. Und mal ehrlich: Offenheit und echtes Interesse sind doch die besten Voraussetzungen für ein tieferes Verständnis des „Anderen“. Und so gesehen ist der Smalltalk über den letzten Urlaub ja auch nur die Spitze des Eisbergs. 

Der “Weltempfänger” – Die alternative Bestenliste

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Frankfurter Buchmesse 2009: China ist Partnerland - und die Messe bietet wieder ausreichend Gelegenheit, sich über internationale Literatur zu informieren. Die deutsche Bücherwelt freut sich besonders auf Diskussionen, Gespräche und Lesungen zur chinesischen Literatur. Wer nun aber keine Zeit hat, selbst über die Buchmesse zu schlendern, dem empfehle ich den “Weltempfänger“, die alternative Bestenliste, herausgegeben von der “Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika” (litprom). Ziel der Gesellschaft: “Unbekannte Stimmen hörbar zu machen und Nebenwege durch die Überfülle der Neuerscheinungen zu erschließen”.

Auf der aktuellen Bestenliste ist China freilich stark vertreten: Yu Hua ist drauf, mit seinem umfangreichen Roman „Brüder“, Ma Jian, der mit dem Leser in „Red Dust“ durch China reist und Feng Li mit der Satire über einen alternden Bürokraten. Wem das nicht reicht, der bekommt bei Litprom noch mehr Inspiration. In der Weltempfänger-Jury sitzen vorwiegend Kultur-Redakteure großer Medien, den Vorsitz hat Ilija Trojanow, Autor von “Der Weltensammler”. Medienpartner ist der TV-Sender ARTE, der den “Weltempfänger” mit News und Rezensionen begleitet.

Auch unabhängig von der Buchmesse macht der „Weltempfänger“ regelmäßig auf teils weniger beachtete Juwelen der internationalen Literatur aufmerksam, „… denn Literatur ist Welterfahrung und die Welt hört nicht an den Grenzen Europas auf.“ (Kristina Pfoser, Literaturkritikerin ORF1 und Mitglied der Weltempfänger-Jury)

Neapel: Ex-Sträflinge als Reisebegleiter

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In seinem Bestseller „Gomorrah“ gibt Roberto Saviano recht detailliert Einblick in die Machenschaften der italienischen Mafia. Zahllose Menschen sind und waren im “wirtschaftlichen” Netz der Camorra gefangen - verhaftet wurden freilich auch solche, die von Mord und Gewaltverbrechen weit entfernt waren.

Das Pilotprojekt als neue Chance

In Neapel startet jetzt ein Pilotprojekt, das diesen Ex-Häftlingen eine neue Chance bietet: Für 500 Euro im Monat kümmern sich die Entlassenen um Neapel-Touristen. In gelben Westen verteilen sie Stadtpläne, geben Auskunft über bestimmte Stadtviertel und führen die Gäste sicher ans Ziel. Der Gewinn für die Touristen liegt auf der Hand: Allzu leicht verlaufen sich Besucher in den vielen kleinen Gässchen der verwinkelten Altstadt – ein Mekka für Taschendiebe. Den Kreuzfahrt-Touristen geben die Ex-Sträflinge schon am Hafen Tipps: zum Beispiel, dass man die Rolex besser an Bord lässt.

Kritik: Mafiosi werden auf Touristen losgelassen

Eigentlich sind Sie die perfekten Reisebegleiter: Niemand kennt die Stadt besser – und jeder führt nur durch das Viertel, in dem er selbst aufgewachsen ist. Trotzdem muss der kampanische Bildungsreferent Corrado Gabriele für seine Idee auch Kritik einstecken: Mafiosi und Gewaltverbrecher würden in Neapel auf die Touristen losgelassen, heißt es in Rom. In Wirklichkeit handelt es sich um Menschen, die unter das Amnestiegesetz fallen. Trotzdem bleibt deren soziale Wiedereingliederung schwierig – das Pilotprojekt hilft Ihnen, Verantwortung zu übernehmen und Geld für Ihre Familien zu verdienen. Eine Chance, für die sie sogar Drohungen durch die Camorra in Kauf nehmen.

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